Second FEBS

man with healthy feet laying on couch
man with healthy feet laying on couch


Schon zum zweiten Mal nach 2005 fand der Workshop Human Fungal Pathogens in La Colle sur Loup statt. Aus 30 Nationen kamen 204 Teilnehmer nach Frankreich, um sich mit Kollegen zu treffen und über Fortschritte, Neuigkeiten und Erfahrungen auf dem Gebiet der Pilzforschung zu diskutieren. Unter den Teilnehmern waren 128 Doktoranden, die dann die Möglichkeit hatten, die Größen unter den Pilzforschern zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Das gab dem Treffen eine sehr lockere und legere Atmosphäre und förderte das Kennen lernen untereinander. Dieses Aufeinandertreffen von jungen Forschern und erfahrenen Wissenschaftlern war eines der Ziele der Organisatoren Christophe d’Enfert (Frankreich), Steffen Rupp (Deutschland) und Anita Sil (USA). Zusätzlich sollten die jungen Forscher die Möglichkeit haben, ein von ihnen entworfenes Poster vorzustellen und dieses eventuell während eines kleines Vortrages dem gesamten Publikum zu präsentieren. Daher wurde die Bewerbung für diesen Workshop mit der Bedingung verknüpft, einen Abstract über die aktuelle Arbeit im Labor einzureichen. Insgesamt gab es 152 Poster über die verschiedensten Themen zu besichtigen.

Die Einführungsveranstaltung fand abends am 11. Mai statt. Die sogenannten Keynote Lectures wurden von Markus Ruhnke (Germany) und Arturo Casadevall (USA) gehalten. Die Vorträge gaben einen allgemeinen Einblick in die aktuelle Situation der Pilzerkrankungen in den Kliniken und deren Behandlung und beschäftigten sich mit der Frage, wie die Virulenz der humanpathogenen Pilze entstanden sein könnte. Die Vorträge an den darauf folgenden Tagen deckten thematisch ein großes Gebiet der Pilzforschung ab. So hörten wir in der ersten Session etwas über die Evolution der pathogenen Pilze, das Genom, die Fortpflanzung und die Population betreffend. Diese Vortragsreihe wurde von Joe Heitman (USA) geleitet https://de.wikipedia.org/wiki/Vaginale_Pilzinfektion. Weitere Themen waren: Pathogene Pilze, ihre Reaktion auf die Umwelt und Morphogenese (Alistair Brown, Großbritannien) oder Antimykotische Angriffspunkte und Strategien (Dominique Sanglard, Schweiz) oder Wirts-Pilz-Interaktionen (Mike Lorenz, USA; Neil Gow, Großbritannien).

Die Vortragsreihe Antimykotische Angriffspunkte und Strategien war besonders interessant. Nach der Einleitung von Dominique Sanglard (Schweiz) über den aktuellen Stand auf dem Gebiet der antimykotischen Therapie hörten wir Beiträge von Theodore C. White (USA), Carol Munro (Großbritannien), Judith Berman (USA), Steffen Rupp (Germany) und Antonio Cassone (Italien). Theodore C. Whites Interessen lagen in dem Gen ERG11, dessen Produkt Erg11p in der Biosynthese von Ergosterol involviert ist. Ergosterol ist das wichtigste und am häufigsten anzutreffende Sterol in der Pilzzelle und ist Bestandteil der Zellmembran der Pilze. Erg11p ist das Ziel von Azolen, einer wichtigen Antimykotika-Klasse, die eine große Rolle in der Behandlung von Pilzinfektionen spielt. Während der Behandlung mit Azolen wird das Gen ERG11 hochreguliert, um die Ergosterolproduktion trotz Anwesenheit des Medikaments aufrecht zu erhalten. Die Gruppe um Theodore C. White hat nun ein Protein entdeckt und untersucht, das wesentlich an der Regulierung der Expression von ERG11 beteiligt ist. Es heißt Upc2p. Mit Hilfe von sogenannten knock-out Mutanten, bei denen gezielt ein Gen ausgeschaltet wird, wurde nachgewiesen, dass ohne Upc2p die Pilze wesentlich anfälliger für die Azole wurden und kaum noch Ergosterol in der Zellmembran nachzuweisen war. Außerdem hat die Gruppe beobachtet, dass das ERG11 Gen bei Anwesenheit von Azolen nicht mehr hochreguliert wurde. Upc2p reguliert wahrscheinlich viele Gene, die eine Rolle bei der Biosynthese von Ergosterol eine Rolle spielen und wahrscheinlich reguliert es sich über eine negative Rückkopplung sogar selbst.
Antonio Cassone sprach über die Entwicklung auf dem Gebiet der Impfstoffe gegen Pilzerkrankungen. Noch vor ein paar Jahren schien es unmöglich einen Impfstoff gegen Pilze zu kreieren und das Thema wurde nicht sehr diskutiert. Allerdings gewinnt dieses Feld immer mehr an Bedeutung, vor allem durch die Fortschritte in der Biotechnologie (Herstellung von Antikörpern) als auch durch das vermehrte Wissen auf den Gebieten der Pathogenität der Pilze, der Virulenz oder auch der Immunantwort der betroffenen Personen. Inzwischen wurden auch Antikörper entdeckt, die für Impfungen in Frage kommen könnten. Die Anforderungen an eine antimykotische Impfung sind indes sehr hoch. So besitzt der infizierte Patient oft ein schwaches Immunsystem und leidet meist unter einer weiteren Krankheit, wie beispielsweise Krebs. Darauf müssen die zukünftigen Impfstoffe abgestimmt sein.
Während des Workshops wurden viele verschiedene Pilzspezies angesprochen. So hörten wir neben Vorträgen über Candida albicans oder Aspergillus fumigatus auch Beiträge über Histoplasma capsulatum, Cryptococcus neoformans oder Paracoccidioides brasiliensis. Ein ziemlich unbekannter und noch kaum untersuchter Organismus ist Malassezia sympodialis. Annika Scheynius (Schweden) brachte uns diesen Pilz in einem Vortrag über die Bedeutung von Malassezia in atopischen Ekzemen näher. Malassezia gehört zur normalen Hautflora jedes Menschen und bislang sind 11 Spezies bekannt. Der Organismus kann Infektionen der Haut verursachen, die sogar systemisch werden können und trägt offenbar dazu bei, atopische Ekzeme auszulösen oder zu verschlimmern. Dabei wirkt Malassezia wir ein Allergen, was an den hohen Immunglobulin E (IgE) Gehalten im Serums  der Patienten zu erkennen ist. Wird ein Antimykotikum angewendet, verbessert sich das Ekzem in vielen Fällen und die IgE-Spiegel werden geringer. Die Haut der Patienten mit atopischen Ekzemen besitzt oft einen erhöhten pH-Wert im Vergleich zu gesunden Probanden. Annika Scheynius und ihre Gruppe konnten jetzt zeigen, dass Malessezia sympodialis bei diesem erhöhten pH-Wert mehr allergene Substanzen ausschüttet als bei normalem pH-Wert. Die Hautflora eines Patienten mit atopischem Ekzem schafft also günstige Voraussetzungen für die Besiedlung mit Malassezia.

Die Morphogenese von pathogenen Pilzen und die Anpassung an die Umwelt stellte einen weiteren wichtigen Punkt der Tagung dar. Die Fähigkeit zur Änderung der Wachstumsform ist bei nahezu allen pathogenen Pilzen zu finden, obgleich die induzierenden Faktoren unterschiedlich sein mögen. Anita Sil (San Francisco, USA) verdeutlichte uns diese Anpassungsfähigkeit an Histoplasma capsulatum. Ihre Arbeitsgruppe identifizierte temperaturabhängige Regulationsgene namens RYP1-3 (Required for Yeast-Phase Growth). Diese sind vor allem in der Hefeform anzutreffen. Bei einem Defekt von einem der Gene wuchs H. capsulatum ausschließlich in seiner filamentösen, avirulenten Form, wie sie in Böden anzutreffen ist. RYP1-3 sind des Weiteren in einem komplexen Netzwerk involviert, welches die Gruppe um Anita Sil zu entschlüsseln versucht.

Christophe d´Enfert (Paris, Frankreich) gab uns einen Einblick in die morphologischen Regulationsprinzipien von Candida albicans. Seine Ausführungen bezogen sich auf Proteinkinasen (z. B. PKC oder Yak1) bzw. deren Untereinheiten (Tpk1 und Tpk2), welche in die Hauptregulationswege eingebettet sind. So wurde uns verdeutlicht, dass eine Yak1-Mutante ist nicht in der Lage in hyphalen Strukturen zu wachsen. Außerdem hatte dieser Defekt auch zur Folge, dass kein Biofilm gebildet werden kann, welcher oft bei Langzeitkathetern oder Implantaten auftritt und lebensbedrohliche Folgen mit sich bringen kann. Die komplexen Regulationsmechanismen wurden uns mit diesem aber auch vielen weiteren Vorträgen verdeutlicht.

Ein anderer Aspekt der Tagung war neben den therapeutischen Möglichkeiten und der Entwicklung von neuen, effizienten Antimykotika der Punkt der eigenen Abwehr gegenüber Pilzen auf der einen Seite als auch wie der Pilz in der Lage ist, dem Menschen schwere Infektionen zuzuführen. Ein Hauptpunkt stellt dabei das Immunsystem dar. Vor allem bei immunsupprimierten Patienten treten leider allzu oft schwerwiegende Mykosen mannigfaltiger Art und Weise auf.

Gordon Brown (Kapstadt, Südafrika) hielt einen interessanten Vortrag über Dectin-1, ein Transmembranglycoprotein. Dieses Protein wird von myeloischen Zellen exprimiert und erkennt beta-Glukane, welche Bestandteile der Zellwände von Pilzen sind. Dieser Rezeptor vermittelt u.a. die Phagozytose von beta-Glukanen und somit von Pilzzellen. Mausmutanten, welche Dectin-1 nicht exprimierten, so zeigte Gordon Brown uns, waren anfälliger gegenüber Pilzinfektionen. Verschiedene andere Studien zeigten, dass Dectin-1 bei einer Vielzahl von Pilzen, wie beispielsweise Aspergillus spp. und Candida spp., die Immunantwort aktiv unterstützt.

Neben den verschiedenen Vortragsreihen wurde das Programm durch drei Posterbegehungen und durch sogenannte Hot-topic-sessions bereichert. Hot-topic-sessions waren Veranstaltungen bei denen noch einmal über ganz bestimmte Themen diskutiert wurde und die abends nach dem Abendessen stattfanden. Die Poster-Sessions waren immer sehr gut besucht und boten Gelegenheit, andere Leute und deren Arbeitsgebiete kennen zu lernen.

Das Feriendorf „La Bergerie“ in La Colle sur Loup war sehr gut geeignet, diesen Workshop auszurichten. Es gab einen klimatisierten Vortragsraum mit Beamer und genug Platz für die Poster. Die Teilnehmer waren in kleinen Apartments untergebracht, die über das ganze Feriendorf verstreut waren. Zum Essen traf man sich im großen Speisesaal, in dem jeden Tag zum Mittag und auch zum Abendessen ein leckeres und abwechslungsreiches 4-Gängemenü serviert wurde. In den Pausen hatte man Gelegenheit, in den Pool zu springen oder sich sportlich zu betätigen. Es war aber auch möglich, sich einfach auf die Terrasse zu setzen und das schöne Wetter und die Landschaft zu genießen, denn beides war einfach traumhaft!

Rate this post